Kammermagazin #1

Das Mitteilungsblatt der Pflegekammer Niedersachsen

Zurück zur Übersicht

Dr. Eckart von Hirschhausen
Foto: Dominik Butzmann

Die Gesellschaft braucht die Kammer: Die Pflege braucht eine starke Lobby

Die Pflegekammer ist nicht nur für Pflegefachpersonen wichtig. Dr. Eckart von Hirschhausen, Arzt, Moderator, Kabarettist und Comedian, im Interview. Im Kammermagazin berichtet er, warum Pflege eine starke Lobby braucht.

 

Lesezeit: 2 Minuten

Dr. Eckart von Hirschhausen

Dr. Eckart von Hirschhausen

Arzt, Moderator, Kabarettist und Comedian

im Interview:

2017 habe ich bei der Verleihung des Deutschen Pflegepreises in Berlin die Auszeichnung „Freund der Pflege“ erhalten – eine Auszeichnung, die ich als Ehre und Verpflichtung empfinde! Ich trage gern in meinen Bühnenprogrammen und Auftritten dazu bei, dass die größte und wichtigste Berufsgruppe im Gesundheitswesen mehr Gehör findet. Denn wenn die Lokführer oder die Piloten streiken, kommen Menschen für ein paar Tage nicht von A nach B. Aber wenn die Pflege nur ein paar Stunden komplett streiken würde, müssten Millionen Menschen auf Zuwendung, Essen, Medikamentengabe, Operationen und Hausbesuche warten.

Wir brauchen gut ausgebildete, motivierte und kompetente Vollprofis! Um die zu gewinnen, sind mehr Anerkennung und Gehalt, verpflichtende Personalschlüssel und mehr akademische Ausbildungswege notwendig. Und Pflegekammern auf Landes- und Bundesebene, um die Interessen der Pflege stark zu vertreten! So wie es bei Ärzten schon lange der Fall ist. Und warum sind Mediziner so stark? Weil es Ärztekammern gibt. Sie sind offizielle Ansprechpartner für die Politik, sie werden ernst genommen. Die Selbstverwaltung gibt es in der Medizin seit über 100 Jahren. Niemand stellt sie mehr infrage. Die frisch geborenen Pflegekammern haben es nicht ganz so leicht. Es ruckelt noch hier und da, aber das ist normal.

„Wer andere pflegt, sollte auch pfleglich mit sich umgehen lernen. Dafür braucht es ein neues Selbstverständnis, ein positives Bild nach außen und eine starke Lobby.“

- Dr. Eckart von Hirschhausen

„Verkammerung“ klingt eng und sperrig, aber so ist es mit altertümlichen Begriffen. Dabei geht es für meinen Geschmack nicht um eine Dunkel-Kammer, sondern darum sich gerade nicht in ein kleines Hinterzimmer zu begeben, sondern mit starkem Rücken in die Öffentlichkeit! Ist es nicht höchste Zeit, dass sich die Interessen der Pflegenden besser bündeln und artikulieren? Ich glaube: Nur wenn es der Pflege gut geht, geht es auch den Patienten gut. Wie oft bekommen Pflegekräfte zu hören: „Das, was du machst, könnte ich nicht.“ Dann ist die einzig richtige Antwort: „Stimmt!“ Es ist ein extrem verantwortungsvoller und stressiger Job, der viel Kompetenz und Wissen genauso wie Kommunikation und Teamgeist verlangt. Aber wer pflegt die Stimmung? Und das Selbstbewusstsein? Meine Stiftung HUMOR HILFT HEILEN ergänzt an Pflegeschulen die Ausbildung mit Workshops, die im positiven Umgang mit Stress und in Selbstfürsorge schulen. Noch ist das alles spendenfinanziert, obwohl wir bereits die Wirksamkeit dieser Module nachweisen konnten. Eigentlich sollte das selbstverständlich sein: Wer andere pflegt, sollte auch pfleglich mit sich umgehen lernen. Dafür braucht es ein neues Selbstverständnis, ein positives Bild nach außen und eine starke Lobby. Ich hoffe, wir sehen uns auf dem nächsten Deutschen Pflegetag. Ich werde da sein, Sie auch?

Zurück

Kammermagazin per E-Mail erhalten

Sie möchten das Kammermagazin auf einem Blick erhalten? Die vollständige Ausgabe können Mitglieder sich per E-Mail zusenden lassen. Melden Sie sich dafür einfach  zur digitalen Ausgabe an und Sie erhalten einen Newsletter mit dem Magazin als PDF-Anhang.