Kammermagazin #1

Das Mitteilungsblatt der Pflegekammer Niedersachsen

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Beate Platte, Gutachterin beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung Niedersachsen
Foto: Eileen Saffier

So sieht unser Alltag aus: Begutachten ist oft emotional herausfordernd

Pflege in Niedersachsen – das sagt sich so leicht. Wer ist die „Pflege“? Beate Platte ist Gutachterin im Geschäftsbereich Pflegeversicherung beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung Niedersachsen (MDKN). Im Kammermagazin erzählt sie, warum das Begutachten emotional herausfordernd ist. 

 Adalbert Zehnder

Lesezeit: 2 Minuten

Beate Platte, Gutachterin beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung Niedersachsen, im Portrait:

Beate Platte

Beate Platte 

Gutachterin im Geschäftsbereich Pflegeversicherung beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung Niedersachsen (MDKN)

  • Alter: 45 Jahre
  • Arbeitsweg: vom Homeoffice aus Hausbesuche im Umkreis von 50 Kilometern
  • Hobbys: Joggen auf Feldwegen (rund um Weizen-, Mais-, Zuckerrübenfelder), Rennrad fahren (den Nienstedter Pass hinauf und hinunter), Lesen (Krimis)

„Wir wissen nie, was uns erwartet hinter einer Haustür“: Von Montag bis Freitag ist Beate Platte mit ihrem anthrazitfarbenen Mercedes Kombi im Schaumburger Land südlich von Hannover unterwegs. Pflegebedürftige besucht sie, vier bis fünf pro Tag, in Pflegeheimen, Einrichtungen für Behinderte, die meisten zu Hause. Ihre Mission: sich mit Menschenkenntnis, Einfühlungsvermögen und gezielt gestellten Fragen innerhalb einer Stunde ein reelles Bild machen von der Lebenssituation; und dann für die Pflegekasse feststellen, in welchen Pflegegrad die Person einzustufen ist. Vor allem schaut sie sich an, wie die Leute wohnen.

„Begutachten ist oft emotional herausfordernd. Wir wissen nie, was uns erwartet hinter einer Haustür. “

- Beate Platte

„In der Stadt sind Wohnungen kleiner und haben zumeist ein Niveau“, sagt Platte. Aber bei ihr, auf dem Land, lebten Menschen oft in großen, über Generationen gewachsenen, verschachtelten (Bauern-)Häusern mit verschiedenen Wohnebenen. „Häufig haben wir eine Stufe vorm Badezimmer oder zwei vorm Schlafzimmer – gefährliche Stolperfallen.“ Deshalb versteht sich die Gutachterin auch als Beraterin: Wie lässt sich das Bad barrierefrei gestalten? Wo ist ein Handlauf nötig, wo ein Treppenlift?

Ursprünglich war Platte in der ambulanten Altenpflege tätig – 17 Jahre lang. Später sieben Jahre Pflegeberaterin bei der Krankenkasse. Seit zwei Jahren ist sie beim MDK. „Ich sehe meinen Ausstieg aus der Pflege nicht als Seitenwechsel. Wir arbeiten ja miteinander, nicht gegeneinander.“ Um Pflege gewährleisten zu können, müsse die Kostenübernahme geklärt sein. Als Gutachterin kommt sie in viele Haushalte, auch in verwahrloste. „Nicht selten ist eine Begutachtung eine emotionale Herausforderung.“ Um Kopf und Gemüt frei zu bekommen, sei es wichtig, für sich zu sorgen – durch ein Hobby oder durch Gespräche mit den Arbeitskollegen oder Freunden.

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