Kammermagazin #1

Das Mitteilungsblatt der Pflegekammer Niedersachsen

Pflege wird laut mit der Pflegekammer

von Natalia

„Stell dir vor: Du musst ins Krankenhaus und keiner ist da!“

„Stell dir vor: Du musst ins Krankenhaus und keiner ist da!“ Unter diesem Motto standen Ende der 1980er-Jahre große Protestaktionen von Pflegefachpersonen. Öffentlich war vom „Pflege- Notstand“ die Rede. Die Pflegekräfte forderten mehr Geld, qualifizierende Fort- und Weiterbildungen – und legitimierte Pflegekammern, damit sich der Berufsstand selbst verwalten und an Gesetzen und Verordnungen mitwirken kann.

Mit einer repräsentativen Befragung griff die Politik in Niedersachsen 2012 die Forderung auf. Das Ergebnis: Zwei Drittel aller Pflegekräfte sprachen sich für eine Pflegekammer aus, besonders viele Befürworterinnen und Befürworter gab es in den Krankenhäusern und Reha- Einrichtungen.


Die Politiker in Niedersachsen folgten 2016 dem Wunsch der Pflegefachkräfte und bereiteten die gesetzlichen Grundlagen zur Kammergründung vor. In einer Sitzung des Landtages am 17. Februar 2016 sagte die damalige Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD): „Pflege wird sich zukünftig in die gesundheits- und berufspolitischen Entscheidungsprozesse wirksam einbringen können. Auf diese Weise wird der pflegerische Berufsstand endlich als eigenständige Profession und wichtiger ‚Player‛ im Gesundheitswesen anerkannt werden.“

 

 

Pflege-Fakten aus Niedersachsen

von Administrator

Warum Niedersachsen die Kammer braucht

von Natalia

Pflegefachpersonen pro Bevölkerung in Niedersachsen
© Pflegekammer Niedersachsen

Schon jetzt gibt es viel zu wenige Pflegefachkräfte, um alle Patienten und Bewohner würdevoll zu versorgen. Doch wie ausgeprägt ist der Fachkräftemangel in Niedersachsen? Welche Regionen sind besonders betroffen? Dazu haben bisher Zahlen gefehlt – und damit schlagkräftige Argumente für pflegepolitische Diskussionen. Doch das ändert sich gerade.

Wo der Fachkräftemangel am größten ist

Die Pflegekammer kann anhand ihrer Mitgliederdaten konkrete Zahlen ermitteln. Wussten Sie zum Beispiel, dass der Fachkräftemangel in Harburg am größten ist? Fakten wie diese hat die Pflegekammer 2018 erstmals in einem ausführlichen „Bericht zur Lage der Pflegefachberufe in Niedersachsen“ zusammengetragen.

Den Bericht finden Sie zum Nachlesen unter www.pflegekammer-nds.de/faktencheck. Demnächst legt die Pflegekammer die aktuellen Zahlen für 2019 vor, Auszüge finden Sie im Folgenden. 

Die Prognose für das Jahr 2035

Die Pflegekammer geht auch dieses Jahr von über 90.000 Pflegefachpersonen aus (rund 61.000 sind inzwischen registriert) und legt diese Zahl für ihre Hochrechnungen zugrunde. Auffällig ist neben dem Frauenanteil von 85 Prozent das hohe Durchschnittsalter. Die Altersklasse der 19- bis 35-Jährigen macht nur 26 Prozent aus. Die größte Altersgruppe ist die der über 50-Jährigen, ihr Anteil beträgt circa 40 Prozent. In 15 Jahren wird also mehr als ein gutes Drittel der heute tätigen Pflegefachpersonen nicht mehr berufstätig sein. „Die Zahl der Auszubildenden und neuen Berufszulassungen wird den Bedarf nicht decken können – weder aktuell noch langfristig“, heißt es im Bericht. Die Situation verschärfe sich, weil Pflegefachpersonen ab 60 vermehrt in den Ruhestand gehen oder ihre Arbeitszeit reduzieren. Laut Statistischem Bundesamt sind immerhin fast 40 Prozent aller Frauen und Männer in Deutschland über 60 nicht mehr erwerbstätig.

Krisenstimmung in Niedersachsen

 

11 Pflegefachpersonen

kommen in Niedersachsen durchschnittlich

auf 1.000 Einwohner. 

In vielen Regionen Niedersachsens sind es sehr viel weniger.

 

6 Pflegefachpersonen 

kommen in Harburg 

auf 1.000 Einwohner. 

 

"Hochrechnungen der Pflegekammer zeigen: Rund 40 Prozent aller Pflegekräfte in Niedersachsen sind über 50, Nachwuchskräfte fehlen.

Aber das sind nicht die einzigen Herausforderungen vom Harz bis ans Meer."

Wie soll man Nachwuchs gewinnen?

Inga Meyer-Kühling hat große Offenheit in den Interviews erlebt. „Ein hohes Gesprächsbedürfnis der Pflegefachkräfte war klar erkennbar.“ Es gebe so viele offene Fragen. Etwa nach dem fehlenden Nachwuchs. Mobilität und Infrastrukur seien auf dem Land ein großes Thema, sagte einer. „Wie sollen wir Nachwuchs gewinnen, wenn wir unattraktiv sind?“, bei teuren Wohnungen, geringem Freizeitangebot oder langem Anfahrtsweg zur Fortbildung.

Meer und Mittelgebirge

Abwechslungsreiche Landschaften in Niedersachsen, doch für die Pflege sieht es trübe aus:

Pflegefachpersonen verdienen hier am wenigsten im Vergleich zu den anderen westdeutschen Bundesländern – das durchschnittliche monatliche Bruttogehalt beträgt 3.278 Euro in der Krankenpflege und 2.543 Euro in der Altenpflege (Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, 2018).

Damit sich Pflege auch finanziell lohnt, fordert die Pflegekammer einen flächendeckenden Tarifvertrag für Pflegefachpersonen in Niedersachsen.

Fachkräfte brauchen mehr Austausch

Oft war in den Interviews von den Kernaufgaben der Pflege die Rede. Körper- und medizinische Pflege, aber auch Zuwendung, Gespräch und Beratung. „Doch im ambulanten Bereich fällt es schwerer, sich abzugrenzen und sich auf die Kernfragen zu konzentrieren“, erfuhr Meyer-Kühling. Ihr Fazit nach ihrer Interviewreihe: „Die Herausforderungen in den Pflegeberufen sind groß. Die Fachkräfte brauchen mehr Austausch und Gespräch.“

Pflegekammer bietet Dialogplattform

Mit der Pflegekammer haben Pflegende eine neue Ansprechpartnerin für Anliegen rund um die Berufsausübung. Mit interaktiven Veranstaltungsformaten wie den Regionalkonferenzen zur Berufsordnung schafft die Kammer aber auch Plattformen, damit sich Pflegende fachlich austauschen und vernetzen können.

So sieht unser Alltag aus: Die Zustände müssen sich endlich ändern

von Natalia

Susanne Stucke, Pflegefachkraft für Kinderonkologie, im Portrait

Susanne Stucke
Susanne Stucke

Pflegefachkraft Kinderonkologie, Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
  • Alter: 57 Jahre
  • Arbeitsweg: circa 45 Minuten mit öffentlichen
    Verkehrsmitteln
  • Hobbys: Radfahren, Kommunalpolitik

Wenn es um Maßnahmen wie die Tablettenverabreichung geht, findet Susanne Stucke ihre Patienten manchmal etwas anstrengend. „Erwachsenen kannst du sagen, wie es ist“, sagt sie. „Mit Kindern muss man diskutieren.“ Sie sagt das mit einem liebevollen Lächeln. Schon seit 36 Jahren arbeitet die Diplom-Pflegefachkraft auf der Pädiatrischen Onkologie der Medizinischen Hochschule Hannover. Kinder seien besondere Patienten, brauchten mehr Aufmerksamkeit und Motivation. Vielleicht ist es die intensive Begegnung mit Leben und Tod, die sie mit ihren kleinen Schützlingen verbindet. Und mit den Angehörigen. Denn kein Kind sei alleine hier. „Wir arbeiten mit der Familie intensiv zusammen.“

 

„Erwachsenen kannst du sagen, wie es ist. Mit Kindern muss man diskutieren.“ 

- Susanne Stucke 

Auf einer anderen Station zu arbeiten, kann Susanne Stucke sich nicht vorstellen. „Einmal Onkologie, immer Onkologie“, sagt die 57-Jährige. Das liege auch an der Komplexität dieses Fachgebiets, das sich ständig und manchmal in großen Schritten weiterentwickelt. Dass es hinten und vorn an Pflegepersonal fehlt, Pausen selten und Überstunden die Regel sind und manchmal sogar Betten gesperrt werden müssten, findet sie untragbar. Sie hofft auf den Einfluss der Pflegekammer, damit sich die Zustände endlich ändern.

Dass sie dennoch weiterhin gerne ihren Dienst antritt, liege auch am starken Zusammenhalt im Team. „Einer für alle, alle für einen.“ Man unterstützt sich und prägt einen Geist, der auch die harten Momente trägt. „Stirbt ein Kind, ist das für uns alle sehr schlimm.“ Trotz der Belastungen überwiegt das Positive. Es werde viel gescherzt auf der Station 64 A. Und am schönsten sei es immer, wenn ein Kind geheilt nach Hause gehen könne.

So sieht unser Alltag aus: Begutachten ist oft emotional herausfordernd

von Administrator

Beate Platte, Gutachterin beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung Niedersachsen, im Portrait:

Beate Platte

Beate Platte 

Gutachterin im Geschäftsbereich Pflegeversicherung beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung Niedersachsen (MDKN)

  • Alter: 45 Jahre
  • Arbeitsweg: vom Homeoffice aus Hausbesuche im Umkreis von 50 Kilometern
  • Hobbys: Joggen auf Feldwegen (rund um Weizen-, Mais-, Zuckerrübenfelder), Rennrad fahren (den Nienstedter Pass hinauf und hinunter), Lesen (Krimis)

„Wir wissen nie, was uns erwartet hinter einer Haustür“: Von Montag bis Freitag ist Beate Platte mit ihrem anthrazitfarbenen Mercedes Kombi im Schaumburger Land südlich von Hannover unterwegs. Pflegebedürftige besucht sie, vier bis fünf pro Tag, in Pflegeheimen, Einrichtungen für Behinderte, die meisten zu Hause. Ihre Mission: sich mit Menschenkenntnis, Einfühlungsvermögen und gezielt gestellten Fragen innerhalb einer Stunde ein reelles Bild machen von der Lebenssituation; und dann für die Pflegekasse feststellen, in welchen Pflegegrad die Person einzustufen ist. Vor allem schaut sie sich an, wie die Leute wohnen.

„Begutachten ist oft emotional herausfordernd. Wir wissen nie, was uns erwartet hinter einer Haustür. “

- Beate Platte

„In der Stadt sind Wohnungen kleiner und haben zumeist ein Niveau“, sagt Platte. Aber bei ihr, auf dem Land, lebten Menschen oft in großen, über Generationen gewachsenen, verschachtelten (Bauern-)Häusern mit verschiedenen Wohnebenen. „Häufig haben wir eine Stufe vorm Badezimmer oder zwei vorm Schlafzimmer – gefährliche Stolperfallen.“ Deshalb versteht sich die Gutachterin auch als Beraterin: Wie lässt sich das Bad barrierefrei gestalten? Wo ist ein Handlauf nötig, wo ein Treppenlift?

Ursprünglich war Platte in der ambulanten Altenpflege tätig – 17 Jahre lang. Später sieben Jahre Pflegeberaterin bei der Krankenkasse. Seit zwei Jahren ist sie beim MDK. „Ich sehe meinen Ausstieg aus der Pflege nicht als Seitenwechsel. Wir arbeiten ja miteinander, nicht gegeneinander.“ Um Pflege gewährleisten zu können, müsse die Kostenübernahme geklärt sein. Als Gutachterin kommt sie in viele Haushalte, auch in verwahrloste. „Nicht selten ist eine Begutachtung eine emotionale Herausforderung.“ Um Kopf und Gemüt frei zu bekommen, sei es wichtig, für sich zu sorgen – durch ein Hobby oder durch Gespräche mit den Arbeitskollegen oder Freunden.

So sieht unser Alltag aus: Wir haben noch Zeit für Patienten

von Natalia

Egbert Schäpker

Egbert Schäpker 

Pflegedienstleiter bei Lotse e.V., Verein zur Hilfe seelisch Erkrankter im Emsland

  • Alter: 46 Jahre
  • Arbeitsweg: 30 Minuten mit dem Auto von Löningen nach Meppen
  • Hobbys: Schwimmen, Radfahren, Laufen („Triathlon in Klein“), Musikhören (besonders New Model Army)

 

Was Pflegedienstleiter Egbert Schäpker erzählt, klingt paradiesisch: Seine sieben Mitarbeiter arbeiten ohne Laufzettel und „Verrichtungsplan“. Ihre Arbeitszeiten können sie selbst mit den Patienten vereinbaren. Möglich macht dies eine ganz besondere Form der ambulanten Pflege: die psychiatrisch- häusliche Krankenpflege (PHKP), die von Fachärzten verordnet und von den Krankenkassen bezahlt wird. Es geht um Nachsorge, aber auch, Krisen früh aufzufangen und Krankenhausaufenthalte zu vermeiden.

 

"Wir arbeiten ohne Laufzettel und 'Verrichtungsplan'."

- Egbert Schäpker 

Seit 2007 gibt es die PHKP als Regelleistung. Ein echter Glücksfall für Egbert Schäpker. „Denn ich wollte nach 13 Jahren im St.- Vinzenz-Hospital Haselünne – zuletzt als Stationsleiter – noch einmal etwas anderes machen.“ Zur Psychiatrie ist der Fachkrankenpfleger eher zufällig gekommen: Nach Raumausstatter Lehre, Zivildienst und Pflegeausbildung suchte er eine volle Stelle. Aber es gab Ende der 90er-Jahre noch lange nicht so viele Angebote wie heute. So nahm Egbert Schäpker, was er bekommen konnte – und das war eine Stelle in der psychiatrischen Fachklinik St. Rochus-Hospital Telgte. Es folgte noch ein kurzer Ausflug in die Somatik, weil er in seine Heimatstadt Löningen zurück wollte. „Doch dort auf der Chirurgie fehlten mir die Gespräche mit den Patienten.“

Zeit für die Patienten – in der Psychiatrie gibt es sie. Und in der psychiatrisch-häuslichen Krankenpflege dazu noch eine hohe Eigenverantwortung. Das sind wohl auch die Gründe, weshalb bei Egbert Schäpker noch nie eine Stelle lange unbesetzt blieb.

So sieht unser Alltag aus: Entsetzlich, wie man teilweise Stammpersonal behandelt

von Natalia

Altenpflegefachkraft Manuela Keßling im Portrait

Manuela Keßling

Manuela Keßling

Altenpflegefachkraft

  • Alter: 51 Jahre
  • Arbeitsweg: Zurzeit 35 Minuten Autofahrt
  • Hobbys: Tanzen, Reisen und ein Schrebergarten

Wenn man sich Sorgen macht, einmal selbst alt und pflegebedürftig zu sein, sollte man Manuela Keßling zuhören. „Die letzte Zeit möglichst schön gestalten“, so versteht sie Altenpflege. Nicht nur Standards einhalten, sondern auf den Menschen sehen. Sie übt ihren Beruf seit vielen Jahren über eine Zeitarbeitsfirma aus, immer dieselbe. Dort fühlt sie sich gut behandelt. Urlaub, Freizeit und Überstundenregelung bestimmt sie selbst. Soll sie mal an einem Wochenende einspringen, wird sie vorher gefragt. All dies sei in vielen Heimen die Ausnahme. „Oft wird einfach über die Köpfe der Leute bestimmt.“

Manuela Keßling kam über ein Praktikum zur Altenpflege. Später arbeitete sie in der Werbung, in der Versicherungsbranche und führte ein eigenes Geschäft. Sie arbeitete in der Psychiatrie, bevor sie zur Altenpflege zurückkehrte. Mancherorts ist sie entsetzt über die Arbeitsbedingungen des Stammpersonals. Sie fühlt sich mehr „als Gast“ und sieht so über manches hinweg. So kann sie Schwung und Freude mitbringen, fühlt sich von Kolleginnen und Klienten geschätzt. „Ich mag alte Menschen, sie haben viel Interessantes zu erzählen“, sagt sie.

 

„Oft wird einfach über die Köpfe der Leute bestimmt.“

- Manuela Keßling 

Zurzeit arbeitet sie in der ambulanten Pflege. Ihre Tour dauert von sieben bis circa 14 Uhr und umfasst zwischen 20 und 27 Besuche. Dabei ist alles von medizinischer Pflege bis zur großen Pflege mit Duschen und Medikamentengabe. „Bei manchen bin ich aber nur ein paar Minuten.“ Über die Pflegekammer äußert sie sich kritisch. „Mitgliedschaftszwang und Gängelei finde ich unakzeptabel.“ Sie wünscht sich, Altenpflege würde in der Gesellschaft angemessen geschätzt. Leider sei sieimmer noch ein Tabu. Umso mehr freut sie sich an den kleinen menschlichen Geschichten ihres Alltags. Etwa als sich die Tochter einer Verstorbenen bedankte: „Sie haben ihr die letzte Zeit schön gemacht.“

So sieht unser Alltag aus: Arbeit mit Gefangenen ist erfüllend

von Natalia

Daniela Niggemann, Fachkraft für psychiatrische Pflege, im Portrait

Daniela Niggemann, Fachkraft für psychiatrische Pflege in einem Jugendgefängnis

Daniela Niggemann

Fachkraft für psychiatrische Pflege in der Jugendanstalt Hameln

  • Alter: 35 Jahre
  • Arbeitsweg: 30 Minuten mit dem Auto nach Hameln: „Da kann ich mich sortieren.“
  • Hobbys: Handball (aktiv als Kreisläuferin und Coach ihres 13-jährigen Sohnes), Rockkonzerte

Wenn Daniela Niggemann von „ihrer“ Psychiatrieabteilung im Jugendgefängnis erzählt, überrascht es zu hören: „Das ist eine schöne, erfüllende Arbeit.“ Die ausgebildete Kranken- und Psychiatriepflegerin weiß, worauf es ankommt. Sie hat früher in der Altenpflege gearbeitet und unter dem Zeit- und Kostendruck gelitten. Im Strafvollzug mit Jugendlichen zwischen 14 und 24 Jahren kann sie ihre Arbeit so aufwendig gestalten, wie es nötig ist. Die Situation der Insassen sei komplex, der Aufbau von Vertrauen dauere länger, sagt sie.

Als Coach hilft sie in Einzelsitzungen, kann auf die Biografie eingehen, die Familie einbeziehen. Dass sie dabei oft belastende Geschichten hört, gehöre dazu. „Wer Insasse bei uns wird, ist kein kleiner Junge.“ Seit über elf Jahren arbeitet sie hier. Die psychiatrischen Erkrankungen der 14 Gefangenen drehen sich häufig um Psychosen, Angstzustände oder ausgeprägtes ADHS. Manchmal wird jemand aggressiv. Doch mit der Gefahr von Übergriffen kann die zusätzlich ausgebildete Vollzugsbeamtin umgehen. Angst hat sie nicht. „Sonst würde ich es nicht machen.“

„Die Arbeit mit Jugendlichen ist eine schöne, erfüllende Arbeit.“

- Daniela Niggemann 

Belastend kann die Arbeit dennoch sein. Hier helfen ihr intensive Fachberatung, ein Um die-Uhr-Kriseninterventionsangebot und nicht zuletzt der persönliche Austausch im Team. „Wir reden viel und unterstützen uns gegenseitig.“ Dieser Zusammenhalt ist für sie ebenso wichtig wie die Erfahrung, sinnvolle und erfolgreiche Arbeit zu machen. Viele der ehemaligen Insassen würden sie heute noch gelegentlich kontaktieren und um Rat fragen. Keiner sei bisher wieder im Gefängnis gelandet. „Das freut und motiviert mich jeden Tag.“

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von Administrator

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