Kammermagazin #1

Das Mitteilungsblatt der Pflegekammer Niedersachsen

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Altenpflegefachkraft Manuela Keßling
Foto: Sandy.Foto

So sieht unser Alltag aus: Entsetzlich, wie man teilweise Stammpersonal behandelt

Pflege in Niedersachsen – das sagt sich so leicht. Wer ist die „Pflege“? Sie ist – bei über 90.000 Pflegefachpersonen – absolut vielfältig, wie unsere fünf Porträts ganz deutlich zeigen. Wir haben mit der Altenpflegerin Manuela Kessling gesprochen, die über eine Zeitarbeitsfirma in der Pflege arbeitet.

 Johannes Kornacher

Lesezeit: 2 Minuten

Altenpflegefachkraft Manuela Keßling im Portrait

Manuela Keßling

Manuela Keßling

Altenpflegefachkraft

  • Alter: 51 Jahre
  • Arbeitsweg: Zurzeit 35 Minuten Autofahrt
  • Hobbys: Tanzen, Reisen und ein Schrebergarten

Wenn man sich Sorgen macht, einmal selbst alt und pflegebedürftig zu sein, sollte man Manuela Keßling zuhören. „Die letzte Zeit möglichst schön gestalten“, so versteht sie Altenpflege. Nicht nur Standards einhalten, sondern auf den Menschen sehen. Sie übt ihren Beruf seit vielen Jahren über eine Zeitarbeitsfirma aus, immer dieselbe. Dort fühlt sie sich gut behandelt. Urlaub, Freizeit und Überstundenregelung bestimmt sie selbst. Soll sie mal an einem Wochenende einspringen, wird sie vorher gefragt. All dies sei in vielen Heimen die Ausnahme. „Oft wird einfach über die Köpfe der Leute bestimmt.“

Manuela Keßling kam über ein Praktikum zur Altenpflege. Später arbeitete sie in der Werbung, in der Versicherungsbranche und führte ein eigenes Geschäft. Sie arbeitete in der Psychiatrie, bevor sie zur Altenpflege zurückkehrte. Mancherorts ist sie entsetzt über die Arbeitsbedingungen des Stammpersonals. Sie fühlt sich mehr „als Gast“ und sieht so über manches hinweg. So kann sie Schwung und Freude mitbringen, fühlt sich von Kolleginnen und Klienten geschätzt. „Ich mag alte Menschen, sie haben viel Interessantes zu erzählen“, sagt sie.

 

„Oft wird einfach über die Köpfe der Leute bestimmt.“

- Manuela Keßling 

Zurzeit arbeitet sie in der ambulanten Pflege. Ihre Tour dauert von sieben bis circa 14 Uhr und umfasst zwischen 20 und 27 Besuche. Dabei ist alles von medizinischer Pflege bis zur großen Pflege mit Duschen und Medikamentengabe. „Bei manchen bin ich aber nur ein paar Minuten.“ Über die Pflegekammer äußert sie sich kritisch. „Mitgliedschaftszwang und Gängelei finde ich unakzeptabel.“ Sie wünscht sich, Altenpflege würde in der Gesellschaft angemessen geschätzt. Leider sei sieimmer noch ein Tabu. Umso mehr freut sie sich an den kleinen menschlichen Geschichten ihres Alltags. Etwa als sich die Tochter einer Verstorbenen bedankte: „Sie haben ihr die letzte Zeit schön gemacht.“

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