Kammermagazin #1

Das Mitteilungsblatt der Pflegekammer Niedersachsen

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Pflegekammer Niedersachsen Übersicht
Foto: Igmarx

Warum Niedersachsen die Kammer braucht

Vom Harz bis ans Meer steht die Pflege bei uns vor großen Herausforderungen. Wie genau diese aussehen und wie sie sich lösen lassen, das erfahren Sie hier. 

 Johannes Kornacher, Kirsten Gaede

Lesezeit: 4 Minuten

Pflegefachpersonen pro Bevölkerung in Niedersachsen
© Pflegekammer Niedersachsen

Schon jetzt gibt es viel zu wenige Pflegefachkräfte, um alle Patienten und Bewohner würdevoll zu versorgen. Doch wie ausgeprägt ist der Fachkräftemangel in Niedersachsen? Welche Regionen sind besonders betroffen? Dazu haben bisher Zahlen gefehlt – und damit schlagkräftige Argumente für pflegepolitische Diskussionen. Doch das ändert sich gerade.

Wo der Fachkräftemangel am größten ist

Die Pflegekammer kann anhand ihrer Mitgliederdaten konkrete Zahlen ermitteln. Wussten Sie zum Beispiel, dass der Fachkräftemangel in Harburg am größten ist? Fakten wie diese hat die Pflegekammer 2018 erstmals in einem ausführlichen „Bericht zur Lage der Pflegefachberufe in Niedersachsen“ zusammengetragen.

Den Bericht finden Sie zum Nachlesen unter www.pflegekammer-nds.de/faktencheck. Demnächst legt die Pflegekammer die aktuellen Zahlen für 2019 vor, Auszüge finden Sie im Folgenden. 

Die Prognose für das Jahr 2035

Die Pflegekammer geht auch dieses Jahr von über 90.000 Pflegefachpersonen aus (rund 61.000 sind inzwischen registriert) und legt diese Zahl für ihre Hochrechnungen zugrunde. Auffällig ist neben dem Frauenanteil von 85 Prozent das hohe Durchschnittsalter. Die Altersklasse der 19- bis 35-Jährigen macht nur 26 Prozent aus. Die größte Altersgruppe ist die der über 50-Jährigen, ihr Anteil beträgt circa 40 Prozent. In 15 Jahren wird also mehr als ein gutes Drittel der heute tätigen Pflegefachpersonen nicht mehr berufstätig sein. „Die Zahl der Auszubildenden und neuen Berufszulassungen wird den Bedarf nicht decken können – weder aktuell noch langfristig“, heißt es im Bericht. Die Situation verschärfe sich, weil Pflegefachpersonen ab 60 vermehrt in den Ruhestand gehen oder ihre Arbeitszeit reduzieren. Laut Statistischem Bundesamt sind immerhin fast 40 Prozent aller Frauen und Männer in Deutschland über 60 nicht mehr erwerbstätig.

Krisenstimmung in Niedersachsen

 

11 Pflegefachpersonen

kommen in Niedersachsen durchschnittlich

auf 1.000 Einwohner. 

In vielen Regionen Niedersachsens sind es sehr viel weniger.

 

6 Pflegefachpersonen 

kommen in Harburg 

auf 1.000 Einwohner. 

 

"Hochrechnungen der Pflegekammer zeigen: Rund 40 Prozent aller Pflegekräfte in Niedersachsen sind über 50, Nachwuchskräfte fehlen.

Aber das sind nicht die einzigen Herausforderungen vom Harz bis ans Meer."

Wie soll man Nachwuchs gewinnen?

Inga Meyer-Kühling hat große Offenheit in den Interviews erlebt. „Ein hohes Gesprächsbedürfnis der Pflegefachkräfte war klar erkennbar.“ Es gebe so viele offene Fragen. Etwa nach dem fehlenden Nachwuchs. Mobilität und Infrastrukur seien auf dem Land ein großes Thema, sagte einer. „Wie sollen wir Nachwuchs gewinnen, wenn wir unattraktiv sind?“, bei teuren Wohnungen, geringem Freizeitangebot oder langem Anfahrtsweg zur Fortbildung.

Meer und Mittelgebirge

Abwechslungsreiche Landschaften in Niedersachsen, doch für die Pflege sieht es trübe aus:

Pflegefachpersonen verdienen hier am wenigsten im Vergleich zu den anderen westdeutschen Bundesländern – das durchschnittliche monatliche Bruttogehalt beträgt 3.278 Euro in der Krankenpflege und 2.543 Euro in der Altenpflege (Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, 2018).

Damit sich Pflege auch finanziell lohnt, fordert die Pflegekammer einen flächendeckenden Tarifvertrag für Pflegefachpersonen in Niedersachsen.

Fachkräfte brauchen mehr Austausch

Oft war in den Interviews von den Kernaufgaben der Pflege die Rede. Körper- und medizinische Pflege, aber auch Zuwendung, Gespräch und Beratung. „Doch im ambulanten Bereich fällt es schwerer, sich abzugrenzen und sich auf die Kernfragen zu konzentrieren“, erfuhr Meyer-Kühling. Ihr Fazit nach ihrer Interviewreihe: „Die Herausforderungen in den Pflegeberufen sind groß. Die Fachkräfte brauchen mehr Austausch und Gespräch.“

Pflegekammer bietet Dialogplattform

Mit der Pflegekammer haben Pflegende eine neue Ansprechpartnerin für Anliegen rund um die Berufsausübung. Mit interaktiven Veranstaltungsformaten wie den Regionalkonferenzen zur Berufsordnung schafft die Kammer aber auch Plattformen, damit sich Pflegende fachlich austauschen und vernetzen können.

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