Daten & Fakten // 
Pflegefachpersonen in Niedersachsen

In Niedersachsen sind ungefähr 90.000 Pflegefachpersonen beschäftigt. Damit bilden sie die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen. Wir sagen bewusst ungefähr, denn es gibt in keinem Bundesland, und auch nicht auf Bundesebene, valide Daten dazu, wo welche Pflegefachpersonen arbeiten. Somit lässt sich auch nicht genau vorhersagen, wo es aktuell eine Unterversorgung gibt und wo es in naher Zukunft Engpässe geben wird.

Dies ist nun durch die Registrierung aller Pflegefachpersonen in Niedersachsen möglich und auf Basis der 60.000 bereits vollständig erfassten Mitglieder lassen sich bereits heute klare Erkenntnisse gewinnen und Rückschlüsse ziehen. Diese eindeutigen Zahlen sind deswegen so wichtig, da nur so eindeutige Verbesserungsmaßnahmen und Handlungsempfehlungen abgeleitet und direkt gefordert werden können.

Bisher fußten alle Zahlen auf Annahmen und Vermutungen, die je nach Interpretation anders bewertet wurden. Für Niedersachsen gilt dies künftig nicht mehr!

Die Pflegekammer wird kontinuierlich die anonymisierten, rein statischen Daten aus der Registrierung dazu nutzen, um zu verschiedensten Fragestellungen eine valide Datengrundlage zu schaffen, damit Missstände und Herausforderungen in der Pflege auch richtig angegangen werden können. Das klare und eindeutiges Ziel liegt dabei stets auf der Verbesserung der Situation der Pflegefachpersonen in Niedersachsen – und damit auch auf die der pflegebedürftigen Personen in unserem Land.

Registrierte Pflegefachpersonen
in Niedersachsen:

60000

Pflegefachpersonen 
in Niedersachsen insgesamt:

über 90000

Nachfolgend für Sie aufbereitet, die ersten fundierte Erkenntnisse aus dem Bericht zur Lage der Pflegefachberufe in Niedersachsen:

  1. In Niedersachsen liegen große regionale Unterschiede in der Verteilung der Pflegefachberufe insgesamt vor. Während in Niedersachsen im Durchschnitt 11,33 Pflegefachpersonen auf tausend Einwohner entfallen, liegt die Zahl in Harburg bei nur 6,01 Pflegefachpersonen, in Cuxhaven bei 6,44 und in Göttingen bei 16,26 Pflegefachpersonen pro 1.000 Einwohnern.**
  2. Die pflegefachliche und damit qualitativ hochwertige Versorgung der Bevölkerung dürfte bereits heute in einigen Regionen Niedersachsens nicht mehr gesichert sein. Perspektivisch wird sich die Situation landesweit – insofern nichts unternommen wird – durch den Faktor des demographischen Wandels weiter verschärfen.
  3. Betrachtet man die Altersverteilung der Pflegefachpersonen, so sind die meisten Pflegefachpersonen über 50 Jahre alt. Bis 2034 werden voraussichtlich 35,20 - 44,7 % der aktuell in Niedersachsen tätigen Pflegefachpersonen nicht mehr im Pflegefachberuf arbeiten.
  4. Der Akademisierungsgrad in Niedersachsen ist mit nur 3 % sehr gering und kann den zunehmend komplexeren Versorgungsbedarfen und der fortschreitenden Spezialisierung in den einzelnen Sektoren nicht mehr gerecht werden.

** Bei der Hochrechnung auf 90.000 Pflegefachpersonen in Niedersachsen.


Kammercheck Niedersachsen //
Berufsangehörige im Gesundheitswesen im Vergleich

Die Anzahl der Berufsangehörigen einer Profession lässt sich nur im Rahmen einer Selbstverwaltung erfassen. Im Gesundheitswesen sind die Heilberufe der Ärztinnen und Ärzte, Apothekerinnen und Apotheker, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten und Zahnärztinnen und Zahnärzte schon lange Eigentümer eines Selbstverwaltungsorgans - ihrer Berufekammern. Seit 2017 verfügen auch die Pflegefachpersonen in Niedersachsen über eine Kammer.

Pflegefachpersonen bilden die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen.

Die Heilberufe in der Pflege //
Spezialisierung und Akademisierung

Das Berufsfeld der Pflegefachpersonen ist so vielfältig wie die Berufsangehörigen selbst. Eine Gemeinsamkeit ist die Ausbildung in einer von drei Spezialisierungen:

  • Gesundheits- und Krankenpflege
  • Gesundheits- und Kinderkrankenpflege
  • Altenpflege.

Ab 2020 wird es mit der Generalistik auf Grundlage des neuen Pflegeberufegesetzes eine weitere Ausprägung der Ausbildung geben.

Der Bildungsweg einer Pflegefachperson muss mit der Ausbildung jedoch nicht abgeschlossen sein. Im Gegenteil: Es stehen vielfältige Wege offen, sich fachlich weiterzubilden, unterschiedlichste Fortbildungen zu absolvieren oder ein Studium aufzunehmen.

Drei Berufsbezeichnungen - Eine Profession

65 % der Pflegefachpersonen in Niedersachsen verfügen über eine Berufsausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege.

Lediglich 3 % der Mitglieder der Pflegekammer Niedersachsen verfügen über einen akademischen Grad.

Flächenland Niedersachsen //
Folgen für die Pflege

Mit mehr als 47.614 km² ist Niedersachsen ein Flächenland. Dies führt zu regionalen Unterschieden:

  • Besonders in ländlichen Regionen stehen deutlich weniger Pflegefachpersonen pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner zur Verfügung.
  • Am wenigsten Pflegefachpersonen auf die Bevölkerung entfallen in Cuxhaven und Harburg. Weniger als 6,5 Pflegefachpersonen auf 1.000 Menschen.
  • Im Südwesten Niedersachsens gibt es viele Landkreise, wo die Versorgung der Bevölkerung besser gewährleistet werden kann. Im Landkreis Osnabrück, Göttingen und Hameln-Pyrmont entfallen knapp 15 Pflegefachpersonen auf 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner.

Pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner gibt es im ø 11,3 Pflegefachpersonen.

Anzahl der Pflegefachpersonen in Niedersachsen pro 1.000 Einwohner

Die Registrierung der Mitglieder der Pflegekammer Niedersachsen ist noch nicht abgeschlossen. Daher wurde für diese Darstellung auf Basis der Daten von 60.000 Mitgliedern eine Hochrechnung auf 90.000 Pflegefachpersonen in Niedersachsen zu Grunde gelegt.

Pro 1 km² Fläche sind im ø 1,89 Pflegefachpersonen in Niedersachsen tätig.

Faktencheck: Die Bedeutung regionaler Unterschiede für die Pflege

  • In einigen Regionen Niedersachsens stehen der Bevölkerung deutlich weniger pflegefachliche Leistungen zur Verfügung als in anderen.
  • Eine qualitativ hochwertige pflegefachliche Versorgung der Bevölkerung ist in vielen Landkreisen und kreisfreien Städten wie Cuxhaven, Wittmund oder Wolfenbüttel bereits heute nicht mehr gesichert.
  • Je weniger Pflegefachpersonen in einer Region zur Verfügung stehen, desto weiter ist der zurückzulegende Weg für die Inanspruchnahme einer pflegerischen Leistung. Das bedeutet für Pflegefachpersonen, pflegebedürftige Personen und Angehörige längere Strecken und damit auch mehr Zeitaufwand für die Leistungserbringung bzw. -inanspruchnahme.

Geschlechterverteilung //
Die Pflege ist weiblich

Frauen und Männer in der Pflege: Als 1957 durch das erste einheitliche Krankenpflegegesetz die pflegerische Ausbildung  geregelt wurde, war der Ausbildungsberuf zunächst Frauen vorbehalten. Mit einer Gesetzesreform 1966 wurde der Ausbildungsberuf erstmalig für die männliche Bevölkerung geöffnet. Seitdem gibt es neben den „Schwestern“ bzw. „Pflegerinnen“ auch die „Pfleger“. Noch heute wird der Pflegeberuf jedoch überwiegend von weiblichen Personen ausgeübt.

In Deutschland liegt die Teilzeitquote der Frauen bei 47,9 % und der Männer bei 11,1 % (Quelle: Statistisches Bundesamt Destatis 2019). Daraus ergibt sich eine Teilzeitquote von ca. 42,4 % für die Heilberufe in der Pflege. Das bedeutet: Fast jede zweite Pflegefachperson arbeitet voraussichtlich in Teilzeit.

85% der Pflegefachpersonen sind weiblich.

 

Fast jede zweite Pflegefachperson arbeitet voraussichtlich in Teilzeit.

Demographischer Wandel //
Mehrfache Bedeutung für die Berufsgruppe

Die Berufsgruppe der Pflegefachpersonen ist vom demographischen Wandel mehrfach betroffen. Folgende Faktoren verstärken den Fachkräftemangel in Niedersachsen:

  • steigende Anzahl an Pflegebedürftigen
  • steigender Altersdurchschnitt der Berufsangehörigen
  • reguläre Renteneintritte und altersbedingte Berufsausstiege
  • geringe Zahl an neuen Berufseinsteigern (Auszubildende in den Pflegefachberufen).

Insbesondere für einige Regionen Niedersachsens, in denen die pflegerische Versorgung der Bevölkerung bereits heute kaum noch sichergestellt werden kann, haben die demographischen Entwicklungen gravierende Auswirkungen. In den kommenden Jahren wird sich der Pflegenotstand verstärken.

Bei 90.000 Pflegefachpersonen in Niedersachsen entfielen 2013 im Ø 0,31 Pflegefachpersonen auf einen pflegebedürftigen Menschen (SGB XI). 2031 werden es voraussichtlichen nur noch 0,23 Pflegefachpersonen sein.

Verteilung der Pflegefachpersonen auf einen pflegebedürftigen Menschen zusammengefasst nach den ehemaligen Regionalbezirken in Niedersachsen:

Region Braunschweig

Entwicklung des Verhältnisses der Pflegefachpersonen auf pflegebedürftige Menschen (nach SGB XI) in der Region Braunschweig unter der Annahme, dass die Anzahl der verfügbaren Pflegefachpersonen unverändert bleibt.

Region Hannover

Entwicklung des Verhältnisses der Pflegefachpersonen auf pflegebedürftige Menschen (nach SGB XI) in der Region Hannover unter der Annahme, dass die Anzahl der verfügbaren Pflegefachpersonen unverändert bleibt.

Lüneburg

Entwicklung des Verhältnisses der Pflegefachpersonen auf pflegebedürftige Menschen (nach SGB XI) in der Region Lüneburg unter der Annahme, dass die Anzahl der verfügbaren Pflegefachpersonen unverändert bleibt.

Region Weser-Ems

Entwicklung des Verhältnisses der Pflegefachpersonen auf pflegebedürftige Menschen (nach SGB XI) in der Region Weser-Ems unter der Annahme, dass die Anzahl der verfügbaren Pflegefachpersonen unverändert bleibt.

← Ausklappen & mehr Erfahren

Das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung hat im Landespflegebericht 2015 einen stetigen Anstieg der Anzahl an pflegebedürftiger Personen nach SGB XI prognostiziert. Um eine pflegerische Versorgung der Bevölkerung nach heutigen Standards gewährleisten zu können, muss sich die Anzahl der Pflegefachpersonen proportional zu den pflegebedürftigen Menschen erhöhen. Stagniert die Summe der Pflegefachpersonen auf dem heutigen Stand von 90.000 oder verringert sie sich sogar, wird sich der Pflegenotstand bis 2030 drastisch verschärfen.

Hervorzuheben ist dabei, dass nicht alle Pflegefachpersonen, die in der grafischen Übersicht in Relation zu den pflegebedürftigen Personen gesetzt wurden, tatsächlich in der pflegerischen Langzeitversorgung (SGB XI) tätig sind. Der Pflegeberuf und die beruflichen Tätigkeitsfelder sind vielfältig, sodass die Pflegefachpersonen neben der Versorgung auch in der Lehre, Forschung, im Management, Vertrieb oder Medizincontrolling eingesetzt werden.

Verstärkend kommt dazu, dass die aktuelle Zahl von 90.000 Pflegefachpersonen in den nächsten Jahren eher sinken als steigen wird. Die Altersstruktur der Berufsgruppe wird dazu führen, dass viele Pflegefachpersonen durch Erreichen des Renteneintrittsalters aus dem Beruf ausscheiden und die nachfolgende Generationen oder Berufseinsteiger den Bedarf nur schwer abdecken können.

Mehr als ein Drittel der Pflegefachpersonen in Niedersachsen 
ist älter als 50 Jahre.

Das Durchschnittsalter der Berufsangehörigen der Altenpflege ist geringer als das der Gesundheits- und Krankenpflegenden und der Gesundheits- und Kinderkrankenpflegenden .

Die Altersklassen der Pflegefachpersonen sind ungleichmäßig verteilt: Die größte Gruppe bilden die Pflegerinnen und Pfleger in der Altersgruppe von 51 bis 55 Jahren.

Wenn die Pflegefachpersonen, die heute 56 Jahre oder älter sind, innerhalb der nächsten 10 Jahre in die Altersrente eintreten, kann dies durch die nachfolgende Generation der heute 19- bis 30-jährigen Pflegefachpersonen nicht aufgefangen werden. Die nachfolgende Generation weist über 4.300 Pflegefachpersonen weniger auf.

Es gibt jedoch Unterschiede zwischen den Spezialisierungen. Bei den Pflegefachpersonen mit einer Berufsausbildung in der Altenpflege sind die Altersklassen am gleichmäßigsten verteilt, und die altersbedingten Berufsausstiege können besser durch nachfolgende Generationen aufgefangen werden. In der Gesundheits- und Krankenpflege und insbesondere in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege ist die Situation kritischer, und mehr Pflegende werden aus dem Beruf aussteigen.

 

Quelle: Nds. Landesamt für Soziales, Jugend und Familie

Faktencheck: Demographischer Wandel

  • Das durchschnittliche Alter der Pflegefachpersonen in Niedersachsen beträgt 44,6 Jahre. Dabei ist der Anteil derjenigen Pflegefachpersonen deutlich kleiner, die jünger als 44,6 Jahre sind.
  • Von den 4.500 Auszubildende in den Pflegefachberufen absolvieren nicht alle erfolgreich ihre Ausbildung. Pro Jahr werden ca. 3.700 bis 4.000 Berufserlaubnisse ausgestellt.
  • Die aktuelle Anzahl an Pflegefachpersonen reicht nicht aus, um den pflegefachlichen Bedarf der Bevölkerung in den nächsten 5 bis 15 Jahren zu decken.

Das Engagement der Kammer // 
Die Situation der Pflegefachpersonen verbessern

Das Handeln der Pflegekammer ist darauf ausgerichtet, die Situation aller professionell Pflegenden in Niedersachsen zu verbessern.

Die Pflegekammer Niedersachsen wird alle Gesetze, Initiativen und Bewegungen unterstützen, die zur Verbesserung der Situation der Pflegeprofession beitragen. Sie wird immer dann laut werden, deutlich und vehement einschreiten, sich einsetzen, streiten und kämpfen, wenn etwas gegen die Interessen der Pflegeprofession auf den Weg gebracht werden soll. Darüber hinaus wird die Kammer selbst aktiv werden und Forderungen stellen, um Verbesserungen voranzutreiben. Alle Handlungen der Kammer werden darauf ausgerichtet sein, dass mehr Pflegefachpersonen in Niedersachsen den Beruf ergreifen.