COVID-19: Stimmen aus der Pflege

Überstunden, spontanes Einspringen für Kollegen, mangelndes Schutzmaterial in der Versorgung von coronainfizierten Patienten, ein hochriskanter Job: Das ist die Arbeitsrealität vieler Pflegefachpersonen in Niedersachsen während der Coronapandemie. Die Ausbreitung des neuartigen SARS-CoV-2-Virus stellt die Berufsgruppe vor außergewöhnliche Herausforderungen.

Die Stimmen der Pflegefachpersonen und ihre Sicht auf den Pflegeberuf zählen. Denn Pflegende wissen am besten, was sie in der Coronakrise benötigen, um die Pflegequalität in der Versorgung zu sichern und Pflegebedürftige gut versorgen zu können. 

Hier bieten wir Pflegenden in Zeiten von Corona eine Plattform, ihre Stellungnahmen, Forderungen, Wünsche und Anregungen zur Pflegesituation zu äussern.

Monja Schünemann, Fachkrankenschwester und Medizinhistorikerin
Peter Roddau, Fachbereichsleiter Ambulante Psychiatrische Pflege

365 Tage im Jahr, 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag sorgen Pflegefachpersonen dafür, dass Patientinnen und Patienten, Bewohnerinnen und Bewohner sowie Menschen in ihrer häuslichen Umgebung jeden Alters in jeder Lebenssituation adäquat versorgt werden. Dabei ist Pflege weitaus mehr als die Körperpflege zu übernehmen oder zu unterstützen, Essen anzureichen, Verbände zu wechseln und Prophylaxen durchzuführen. Die aktuelle Coronapandemie verdeutlicht, welchen wesentlichen Beitrag Pflegefachpersonen zum Schutze der Bevölkerung leisten. Pflegende tragen aktiv dazu bei, die Infektionskette des Coronavirus durch professionelle Arbeit und Beratung zu unterbrechen und Infizierte zu versorgen. Ihre Expertise ist erforderlich, um Risiken zu erkennen und Leben zu retten.

Doch damit Pflegefachpersonen Patientinnen und Patienten sowie Bedürftige bestmöglich versorgen können, müssen Hygiene- und Arbeitsschutzstandards eingehalten werden. Aufgrund der hohen internationalen Nachfrage angesichts der Coronapandemie fehlt in vielen Einrichtungen dringend notwendiges Schutzmaterial wie Atemschutzmasken, Kittel, Handschuhe und Desinfektionsmittel. Dadurch arbeiten viele Pflegefachpersonen schon jetzt unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen.

Wenn sich die Lage rund um Corona zuspitzt, drohen Arbeitszeitgesetze und Arbeitsschutzmaßnahmen für Pflegefachpersonen und medizinisches Personal ausgehebelt zu werden. Gemeinsam mit ihren Mitgliedern tritt die Pflegekammer Niedersachsen dafür ein, die Berufsbedingungen von Pflegefachpersonen während der Coronakrise und langfristig zu verbessern.  

Die Pflegekammer Niedersachsen fordert hinsichtlich der Coronapandemie folgende Sofortmaßnahmen:

  1. Anerkennung von Pflegefachpersonen als systemrelevante Berufsgruppe
  2. Ausstattung der Pflegenden und des medizinischen Personals mit ausreichend Schutzmaterial
  3. Regelmäßige Corona-Tests für Pflegefachpersonen in der direkten Versorgung
  4. Eine Gefahrenzulage für Pflegefachpersonen, die SARS-Cov-2-Patientinnen und -Patienten versorgen
  5. Ein Belohnungssystem für Pflegefachpersonen, die aus dem Urlaub oder „aus dem Frei“ geholt werden, um die Versorgung aufrecht zu erhalten
  6. Einsatz von Hilfskräften für pflegeferne Tätigkeiten, um Pflegefachpersonen spürbar zu entlasten
  7. Steuerbegünstigungen / Steuerbefreiung für Pflegefachpersonen, die während der Coronapandemie in der Versorgung tätig sind

Langfristige Forderungen der Pflegekammer Niedersachsen:

  1. Menschenwürdige Arbeitsbedingungen 
  2. Einführung eines flächendeckenden Tarifvertrags für Pflegefachpersonen
  3. Gehalt von 4.000 Euro brutto für Pflegefachpersonen, die in Vollzeit arbeiten
  4. Dauerhafte Anerkennung von Pflegefachpersonen als systemrelevante Berufsgruppe
  5. Rückgewinnung der „stillen Reserve“: Attraktive Arbeitsbedingungen, damit Pflegefachpersonen, die nicht mehr in der Pflege tätig sind, für den Pflegeberuf zurückgewonnen werden können
  6. Verlässliche Dienstplangestaltung, z.B. kein spontanes Einspringen an Wochenenden und keine Arbeitseinsätze trotz Urlaub/freier Tage

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