DAS 60.000 REGISTRIERTE MITGLIED // Pflegekammer Niedersachsen begrüßt Heike Mann als Mitglied

Die Pflegekammer Niedersachsen begrüßt Heike Mann als 60.000 registriertes Mitglied der Pflegekammer Niedersachsen. Die 34-jährige Gesundheits- und Krankenpflegerin ist erst vor kurzem nach Niedersachsen gezogen. Bis Mai hat die gebürtige Wittenbergerin neun Jahre als Fachkraft für Anästhesie- und Intensivpflege auf einer Intensivstation in Dessau-Roßlau gearbeitet.

Frau Mann, herzlich willkommen in der Pflegekammer Niedersachsen. Sie sind unser 60.000. registriertes Mitglied. Was machen Sie beruflich?
Seit Juni bin ich im Städtische Klinikum Braunschweig angestellt - im Moment aber zu Hause, da ich im Mutterschutz bin. Davor war ich neun Jahre auf einer internistischen/interdisziplinären Intensivstation als Fachkraft für Anästhesie und Intensivpflege tätig.

Es heißt immer, der Pflegeberuf sei nicht attraktiv. Was ist für Sie das Schöne am Beruf?
Ich liebe die tägliche Begegnung mit vielen verschiedenen Menschen, Charakteren, Nationalitäten und Religionen. Dass ich mich jeden Tag auf neue Herausforderungen einstellen muss. Jeder Patient kommt unterschiedlich mit seinen Erkrankungen und Problemen klar. Diese Arbeit mit Menschen in all ihren Facetten empfinde ich als schön und bereichernd. Als Gesundheits- und Krankenpflegerin weiß ich nie, was mich erwartet, wenn der Dienst beginnt. Man muss sich immer wieder neu einstellen und umstellen. Das ist für mich das spannende in meinem Job.

Sie sind erst vor kurzem nach Niedersachsen gezogen. Wie haben Sie von der Pflegekammer erfahren?
Ich habe schon vor meinem Umzug nach Niedersachsen von der Pflegekammer erfahren, da meine Fachweiterbildung noch nicht allzu lange her ist und es auch in vielen Fachzeitschriften und Medien immer wieder publiziert wurde. Direkt nach meinem Umzug und Neubeginn am Städtischen Klinikum Braunschweig habe ich dann mit der stellvertretenden Präsidentin der Pflegekammer Niedersachsen Nora Wehrstedt zusammengearbeitet.

Mitglieder zahlen einen Mitgliedsbeitrag von 0,4 Prozent des Bruttoeinkommens. Wie finden Sie das?
Das ist für mich vollkommen okay. Damit sichert doch die Pflegekammer ihre Unabhängigkeit. Wenn ich bei Verdi Mitglied wäre, müsste ich ebenfalls einen Mitgliedsbeitrag zahlen.

Haben Sie sich mit Berufspolitik und Pflegekammern früher schon mal auseinandergesetzt? Wie haben Sie Berufspolitik in der Vergangenheit erlebt?
Berufspolitik ist ja immer eine Frage der Definition. Da wir jeden Tag feststellen müssen, dass zu wenig Pflegekräfte in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sind, um die Anzahl an Patienten qualitativ hochwertig zu versorgen und die Dokumentation zu bewältigen, beschäftigt sich doch jeder jeden Tag damit, zumindest unbewusst. Die Interessenvertretung im Pflegberuf empfand ich in der Vergangenheit eher als schlecht. Der Beruf war in Gesellschaft und Politik einfach wenig anerkannt. Hier hat eine Trendumkehr hin zu mehr Anerkennung der Leistungen erst in den vergangenen Jahren eingesetzt.

Was erwarten Sie von der Pflegekammer Niedersachsen?
Da gibt es bestimmt viel zu tun in den nächsten Jahren. Ich hoffe, dass die Pflegekammer Niedersachsen die Interessen der Pflegenden vorantreibt, der Pflegeberuf mehr Unterstützung bekommt und dadurch wieder mehr junge Leute einen Pflegeberuf ergreifen möchten. Ebenfalls erhoffe ich mir eine Unterstützung in der Politik. Es ist gut, dass die Pflegkammer in den einzelnen Gremien mitwirken kann, die für unseren Beruf wichtig sind. Es muss ein Ende haben, dass Personen über den Beruf Entscheidungen treffen, die keine Vorstellung davon haben, wie es in den Krankenhäusern und Pflegeinrichtungen läuft. Pflegende brauchen einen Ansprechpartner, der objektiv ist und beratend zur Seite steht, wenn ich oder andere Pflegende Unterstützung benötigen. Die ärztlichen Kollegen haben eine Ethikkommission. Das wünsche ich mir auch für den Pflegeberuf. Ich finde, in dem Bereich sind noch große Defizite vorhanden.

Wo haben Sie in Ihrer Berufspraxis erlebt, dass eine Pflegekammer sinnvoll wäre?
Eine Pflegekammer kann sicher im Bereich der Fort- und Weiterbildungen Akzente setzen. Nicht jeder Pflegende empfindet es als wichtig, sich weiterzubilden und auch mal über seinen Tellerrand hinaus zu gucken. Daher würde ich es als sinnvoll erachten, wenn Pflegende bestimmte Fort- und Weiterbildungen machen müssten. Einige Kliniken und Pflegeeinrichtungen legen Wert darauf. Sie schicken ihre Arbeitnehmer regelmäßig zu Schulungen, aber leider nicht alle. Die Pflegekammer könnte dadurch die Qualität erhöhen und auch die Kommunikation zwischen den einzelnen Kliniken und Pflegeinrichtungen im Land vorantreiben.

Wie erklären Sie Ihren kritisch eingestellten Kolleginnen und Kollegen, dass die Pflege eine Pflegekammer braucht?
Die Pflegekammer ist unser Sprachrohr und eine Möglichkeit unseren Beruf wieder attraktiver zu machen. Viele schimpfen seit Jahren, dass nichts passiert. Jetzt gibt es eine Chance, etwas zu verändern. Leute, nutzt sie! Die Kammer vertritt heute die Aspekte, um die Kollegen seit Jahren erfolglos kämpften.

Frau Mann, wagen wir einen Blick in die Zukunft. Wo sehen Sie die Pflege in 25 Jahren?
Die Pflege wird in 25 Jahren definitiv nicht mehr so sein, wie sie jetzt ist. Es werden immer mehr Technik und technische Hilfsmittel auf uns zukommen, denen man aber offen gegenüberstehen muss. Ich persönlich denke, dass sich viele kleinere Einrichtungen nicht halten werden können. Die Tendenz geht für mich eher zu Großkliniken, die sich um alles kümmern können oder großen Pflegeeinrichtungen. Im ländlichen Raum wird wieder die Pflege zu Hause mehr in den Fokus gerückt. Eventuell sogar wieder mit Pflegenden, die sich um alles kümmern, z. B. Impfungen, Schwangerenberatung, Verbände oder Wundversorgung usw. Unser Beruf wird auch in 25 Jahren multikulturell sein, den Job noch spanndender machen und neue Perspektiven eröffnen. Ich wünsche mir, dass professionelle Pflege in 25 Jahren mehr Zuspruch und Unterstützung in Politik und Gesellschaft bekommt als heute, weil ohne uns die Versorgung der Pflegebedürftigen nicht möglich ist.

Heike Mann ist das 60.000 Mitglied der Pflegekammer Niedersachsen

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