PRESSEMITTEILUNG // Intensivpflege: Elektive Eingriffe aussetzen, Pflegepersonal aufstocken

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts ist die Anzahl der COVID-19-Intensivpatienten in den vergangenen zwei Wochen von 1700 auf mehr als 3000 gestiegen. In den Kliniken fehlt das Pflegefachpersonal, um die wachsende Zahl an Patienten zu versorgen. Die Pflegekammer Niedersachsen fordert in ihren Handlungsempfehlungen, u. a. verschiebbare Eingriffe auszusetzen, um mehr Fachpersonal für die Intensivstationen zu gewinnen.  

Hannover, 13.11.2020 • In der Intensivpflege zeichnen sich angesichts steigender COVID-19-Zahlen Versorgungsengpässe ab. „Der dramatische Mangel an Pflegefachpersonal, den wir schon seit vielen Jahren haben, zeigt sich in der Corona-Krise in all seiner Wucht“, schildert Nadya Klarmann, Präsidentin der Pflegekammer Niedersachsen am Freitag die aktuelle Situation auf den Intensivstationen. Viele Kliniken schlagen Alarm, denn sie können die Versorgung von Intensivpatienten nicht mehr stemmen. Deshalb fordert Klarmann: „Jetzt muss dringend zusätzliches Personal auf die Intensivstationen berufen werden. Elektive Eingriffe müssen ausgesetzt werden, damit Ärzte und Pflegekräfte das Personal auf den Intensivstationen unterstützen können. Personal muss umverteilt werden und wir brauchen unbedingt mehr Freiwillige.“

Am Donnerstag hatte Gesundheitsminister Spahn auf dem Deutschen Pflegetag dafür geworben, im Notfall auch infizierte Pflegekräfte in der Pflege einzusetzen. Klarmann kritisiert: „Es kann keine Lösung sein, dass positiv getestete Pflegefachpersonen z. B. auf den COVID-Stationen weiterarbeiten müssen. Die Langzeitfolgen einer Corona-Infektion, selbst bei einem milden Krankheitsverlauf, dürfen nicht unterschätzt werden. Es darf nicht sein, dass Pflegende wegen der schwerwiegenden Versäumnisse der Gesundheitspolitik in den letzten Jahrzehnten nun ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzen sollen.“

Um dem großen Fachpersonalmangel in der Intensivpflege entgegenzuwirken und einer Gefährdung von Patientinnen und Patienten vorzubeugen, schlägt die Pflegekammer Niedersachsen folgende Handlungsansätze vor:

  1. Angebote an Intensivpflegekräfte in Teilzeit: Kliniken sind in der Verantwortung Intensivpflegekräften, die in Teilzeit arbeiten, Angebote zu machen, damit sie ihre Stellenanteile auf bis zu 100 Prozent erhöhen. Hierfür braucht es attraktive finanzielle Anreize.
  2. Unterstützung des Intensivpflegepersonals durch qualifizierte Pflegepersonen aus der Anästhesie: Elektive Eingriffe müssen jetzt ausgesetzt werden, damit dringend benötigte Pflegefachpersonen auf Intensivstationen abberufen werden können. Es muss weiterhin genügend qualifiziertes Personal für die dringliche Versorgung und Notfalloperationen bereitstehen, um hier eine adäquate Versorgung der Patienten sicherzustellen. Der Einsatz von Pflegekräften aus dem Funktionsdienst sollte zuerst freiwillig erfolgen.
  3. Freiwilliger Einsatz von Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pflegern, die aktuell auf Normalstationen arbeiten, auf Intensivstationen: Pflegefachpersonen müssen z. B. in mehrtägigen Schnellkursen auf einen freiwilligen Einsatz auf Intensivstationen vorbereitet werden, sodass Pflegekräfte gemeinsam im Team mit qualifizierten Intensivfachpflegekräften beatmete COVID-19-Patienten versorgen können.
  4. Anwendung des „Kleeblattprinzips“: Wenn die Intensivkapazitäten in einer bestimmten Region eines Bundeslandes, z. B. in Niedersachsen, nicht mehr ausreichen, müssen zu beatmende Intensivpatienten in ein anderes Bundesland verlegt werden, das demselben „Kleeblatt“ angehört. Niedersachsen und Schleswig-Holstein gehören beispielsweise dem Kleeblatt Nord an.
  5. Gewinnung von Medizinstudierenden für die Arbeit auf Normalstationen: Medizinstudierende sollten auf Freiwilligenbasis aushilfsweise auf Normalstationen eingesetzt werden, um das medizinische Personal und Pflegepersonal zu unterstützen.
  6. Gewinnung von Assistenzärzten, B. aus der Orthopädie und Chirurgie, zur Unterstützung auf den Normalstationen: Assistenzärzte, die auf Stationen sind, auf denen Eingriffe und Operationen reduziert werden, können flexibel auf anderen Stationen eingesetzt werden.
  7. Freiwilligenregister stärken: Freiwillige mit Pflegeerfahrung sollen gewonnen werden, um das Pflegepersonal in den Kliniken zu entlasten. Hierbei muss die Zusammenarbeit von Landkreisen, Kommunen, Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Gesundheitsbehörden ausgebaut werden und Freiwillige in zentralen Registern erfasst werden statt durch viele einzelne Meldestellen.

Die Pressemitteilung finden Sie hier als PDF zum Download. 

Zurück