PRESSEMITTEILUNG // Pflege während Corona: "Mehr als Lavendel und Applaus hat's bisher leider nicht gegeben."

Der Pflegenotstand in Niedersachsen ist allgegenwärtig. Es gibt kaum ein Pflegeheim oder einen ambulanten Pflegedienst in Niedersachsen, der nicht sofort mehrere Pflegefachpersonen einstellen würde. Die Pflegekammer warnt jetzt davor, dass durch die Corona-Pandemie der Druck auf Pflegefachpersonen weiter steigt und viele den Beruf verlassen werden.

Hannover, 2.9.2020 • Das Durchschnittsalter der Pflegefachpersonen in Niedersachsen liegt nach Erhebungen der Pflegekammer Niedersachsen bei 45 Jahren. Im Jahr 2019 waren bereits über 40 Prozent der Pflegefachpersonen mindestens 50 Jahre alt. Viele werden in den nächsten Jahren altersbedingt aus dem Beruf aussteigen. Insbesondere in der Corona-Pandemie hat sich der Druck auf Pflegefachpersonen weiter erhöht.

„Am Anfang der Pandemie gab es tatsächlich die Hoffnung vieler Kolleginnen und Kollegen, dass professionelle Pflege eine deutliche Aufwertung erfährt. Lavendel und Applaus waren schön. Aber mehr hat’s bisher leider nicht gegeben“, kritisiert Nadya Klarmann, Präsidentin der Pflegekammer Niedersachsen am Mittwoch in Hannover. Die Altenpflegerin und Pflegekammerpräsidentin befürchtet, dass die Corona-Krise die Abwanderung aus den Pflegefachberufen weiter verstärken und den Personalmangel noch gravierender ansteigen lässt. Die schlechte Versorgung mit persönlicher Schutzausrüstung, die psychischen Folgen der Pandemie, die ungerechte Verteilung von Corona-Zulagen und die mangelhafte Kinderbetreuung würden bei den Pflegenden sichtbare Spuren hinterlassen, so die Kammerpräsidentin.

Pflegende hätten, so Klarmann, während der heißen Phase der Corona-Pandemie ambulant und stationär „fast Übermenschliches“ geleistet. Es seien Überstunden gemacht, Bereitschaftsdienste für alle Fälle eingerichtet und die Betreuung der Kinder organisiert worden. Sogar aus dem Beruf ausgestiegene Pflegefachpersonen haben sich zu Tausenden gemeldet, um im Bedarfsfall die pflegerische Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. „Dienstverpflichtungen waren dazu nicht nötig. Pflegende übernehmen Verantwortung und rennen nicht einfach weg, wenn es darauf ankommt“, betont Klarmann.

Viele Pflegefachpersonen hätten die Hoffnung, dass Pflege am Menschen endlich einen höheren Stellenwert bekomme. Nun fühlten sie sich enttäuscht. Nadya Klarmann weiter: „Pflegende sind wieder angekommen in ihrem Pflegealltag mit 12-Tage-Schichten, ausgedünnten Dienstplänen und bescheidener Bezahlung.“ Rückmeldungen an die Pflegekammer zeigen, dass viele Pflegefachpersonen sich überlastet fühlen und konkret planen, aus dem Beruf auszusteigen. „Wenn jetzt nicht ganz schnell etwas passiert, werden in den nächsten Monaten und Jahren viele Kolleginnen und Kollegen den Beruf hinschmeißen“, attestiert Klarmann die Lage.

Die Pressemitteilung finden Sie hier als PDF zum Download.

Zurück