PRESSEMITTEILUNG // Zweiter Bericht zur Lage der Pflegefachberufe – Pflegekammer: Pflegekollaps vermeiden

Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie warnt die Pflegekammer Niedersachsen in ihrem zweiten Bericht zur Lage der Pflegefachberufe in Niedersachsen vor weiteren Berufsausstiegen aus der Pflege und damit verbundenen Versorgungsengpässen. Für den Bericht hat die Pflegekammer Niedersachsen mithilfe ihres Pflegefachberuferegisters Datensätze von insgesamt 60.620 vollständig registrierten Mitgliedern aus dem Jahre 2019 ausgewertet.

Hannover, 28.01.2021 • Mehr als 40 Prozent der Pflegefachpersonen in Niedersachsen gehen in den nächsten 15 Jahren regulär in Rente – vorzeitige Berufsausstiege nicht mitgerechnet. Zu diesem Ergebnis kommt die Pflegekammer Niedersachsen in ihrem zweiten Bericht zur Lage der Pflegefachberufe. Zugleich stehen laut Pflegekammer nicht ausreichend jüngere Fachkräfte bereit, um die Berufsausstiege auszugleichen.

Nadya Klarmann, Präsidentin der Pflegekammer Niedersachsen zeigt sich über die Ergebnisse des Berichts alarmiert: „Schon vor der Corona-Pandemie war die Versorgungssituation in einigen Regionen Niedersachsens dramatisch. In der Coronazeit ist die Arbeitsbelastung in der Pflege weiter gestiegen. Pflegende brauchen jetzt dringend Angebote zur Gesundheitsförderung und insgesamt attraktivere Berufsbedingungen. Sonst steigen noch mehr Menschen aus dem Beruf aus und die Versorgung ist in Gefahr. Einen Pflegekollaps müssen wir mit aller Kraft vermeiden.“

Laut Pflegekammer kommen in Niedersachsen ca. 11,9 Pflegefachpersonen auf 1000 Einwohner. Diesen stehen im Durchschnitt 160,5 Pflegebedürftige an der älteren Bevölkerung pro 1000 Einwohner gegenüber. In einigen Landkreisen ist die Lage besonders prekär: In Osterholz (6,78), Wolfenbüttel (6,95) und Harburg (7,14) liegt der Wert mit etwa 7 Pflegefachpersonen je 1000 Einwohner weit unter dem Landesdurchschnitt. Versorgungslücken werden in der ambulanten Pflege insbesondere in den Landkreisen Osterholz und Harburg, aber auch für die Region Oldenburg für den Zeitraum 2013 bis 2030 erwartet.

Nachfrage nach Weiterbildung zur Hygienefachkraft gering

Der neue Bericht zu Lage der Pflegefachberufe in Niedersachsen gibt erstmals Aufschluss, wie viele Pflegefachpersonen in Niedersachsen welche Weiterbildungen absolviert haben. „Die Corona-Pandemie hat offengelegt, wie wichtig Hygienefachkräfte in der Pflege sind. Gerade in diesem Bereich sehen wir Nachholbedarf in Niedersachsen“, erklärt Anja Wiedermann, Leiterin des Geschäftsbereichs Pflegeberufeentwicklung der Pflegekammer Niedersachsen. In 2019 haben nur 15 von insgesamt 591 Pflegefachpersonen eine Fachweiterbildung zur Fachkraft für Hygiene in der Pflege oder zur Fachkraft für Hygiene und Infektionsprävention absolviert.

Die Ursachen für die geringe Nachfrage sieht Wiedermann u.a. in der Angebotsstruktur der Weiterbildungen: „Wir brauchen mehr flexible und wohnortnahe Angebote entsprechend den Bedarfen berufstätiger Pflegender. Einige Teilnehmer, die auf dem Land wohnen, haben lange Anfahrtswege zu Weiterbildungsstätten. Sie brauchen flexible Lösungen.“ Um die notwendigen Voraussetzungen dafür zu schaffen, hat die die Pflegekammer Niedersachsen begonnen, die Weiterbildungsordnung anzupassen.  

Umfrage „Zeitarbeit in der Pflege“: Hohe Berufsunzufriedenheit in der Pflege

Von September bis November 2019 konnten Mitglieder der Pflegekammer Niedersachsen an der Umfrage teilnehmen, die von der Pflegekammer in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung durchgeführt wurde. Insgesamt wurden Datensätze von insgesamt 2662 Befragten ausgewertet. Rund 17 Prozent der Befragten gaben an, sich vorstellen zu können, in die Zeitarbeit zu gehen. Als Gründe für die Zeitarbeit nannten die Befragten am häufigsten die „Vergütung“ (54 %), gefolgt von „selbstbestimmten und flexiblen Arbeitszeiten“ (50,9 %). Rund 60 Prozent aller Befragten erklärten, unzufrieden oder sehr unzufrieden mit ihrem Beruf zu sein.

Den vollständigen Bericht zur Lage der Pflegefachberufe in Niedersachsen (2021) finden Sie hier zum Download

Die Pressemitteilung finden Sie hier als PDF zum Download. 

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